Miltenberger Prsönlichkeiten
(Wilhem Otto Keller)

Hans Stiglitz (2. Hälfte des 15.Jahrhunderts), Baumeister der Spätgotik, war etwa zwischen 1472 - 1480 in Ellwangen tätig: St. Wolfgangkirche in Ellwangen (1673 - 1476), Liebfrauenkapelle im Kreuzgang der Ellwanger Stiftsbasilika (1473) und zweischiffige Bibliothek im Stiftsgebäude.  Die Familie ist Anfang des 15. Jahrhunderts in Miltenberg nachweisbar, im 16.Jh. nicht mehr.
[Stadtarchiv Miltenberg, Nachlass Rudolf Vierengel]

Johannes Butzbach (1477 Miltenberg - 1516 Maria Laach), Prior von Maria Laach und Humanist, Verfasser des "Odeporicon", der ersten deutschen Selbstbiografie, in der er seine abenteuerliche Jugend als "fahrender Schüler" schilderte. Aus seiner Feder stammt auch die erste Beschreibung Miltenbergs in dem Buch "Makrostroma".
[Andreas Beriger: Johannes Butzbach Odeporicon. Zweisprachige Ausgabe. Einleitung, Übersetzung und Kommentar. Weinheim (1991)
Andreas Beriger, Johannes Butzbachs Beschreibung seiner Heimatstadt Miltenberg. In: Aschaffenburger Jahrbuch Bd. 15, Aschaffenburg (1992) S. 227 - 242]

Friedrich Weygandt (? - 1525 hingerichtet) stammte wohl aus Karlstadt am Main. Als Mainzischer Amtskeller in Miltenberg betrieb er die Loslösung (Dismembration) Miltenbergs von der Mutterpfarrei Bürgstadt. Als einer der führenden theoretischen Köpfe der aufständischen Bauern 1525, für die er einen Entwurf zur Reform des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation ausarbeitete wurde er nach dem Bauernkrieg hingerichtet.
[Gudrun Berninger, Friedrich Weygandt und sein Reichsreform-Entwurf von 1525. In: 750 Jahre Stadt Miltenberg 1237 - 1987. Miltenberg (1987), S. 361 - 370]

Johannes Drach (auch Draco oder Draconites, 1494 Karlstadt - 1566 Wittenberg), Vetter von  Friedrich Weygandt, 1509 - 1514 Studium der Theologie in Erfurt, 1520 Begegnung mit Erasmus von Rotterdam und mit 1521 Martin Luther. 1522 zum ersten Stadtpfarrer von Miltenberg bestellt versuchte er in Miltenberg eine Kirchenreformation im Sinne Luthers einzuführen. 1523 musste Drach Miltenberg verlassen und wurde 1524 - 1426 Pfarrer in Waltershausen bei Gotha. 1534 zog er als Privatgelehrter nach Eisenach und wirkte bis 1547 als Professor in Marburg. Von dort zog er als Privatgelehrter nach Lübeck. Der Rat der Hansestadt Rostock berief ihn 1551 an die dortige Universität. 1557 wurde er Stadtsuperintendent und 1560 wieder entlassen. Vorübergehend amtierte er als Bischof im preußischen Bistum Pomesanien, bevor er wieder nach Wittenberg ging, um sich seinem Lebenswerk, einer fünfsprachigen Bibel zu widmen. Auf seinem Grabstein steht: "Er forschte in den Büchern der Propheten und unter der Decke des Mose nach Christus."
[Stadtarchiv Miltenberg, Nachlass Rudolf Vierengel
Heinz Scheible, Johannes Draconites. Ein gelehrter der Reformationszeit als Pfarrer von Miltenberg und sein unsteter Lebensweg. In: Zeitschrift für Bayerische Kirchengeschichte 71. Jg., (2002)]

Johannes Hartung (1505 Miltenberg - 1579 Freiburg). Der Sohn armer Eltern studierte nach dem Besuch der Lateinschule in Miltenberg ab Januar 1521 in Heidelberg Philologie und griechische Literatur. Seine Studien musste er mehrmals unterbrechen, um Geld zu verdienen. 1537 erhilet er Lektur und Lehrstuhl für griechische Sprache in Heidelberg, 1546 einen Ruf an die Albertina in Freiburg im Breisgau als Professor für Griechisch und Hebräisch. Hartung galt als einer der führenden Graezisten seiner Zeit.  Die Universität ehrte ihn mit einer Bronzetafel im Freiburger Münster.
[Alf Dieterle (Hrg.), Johannes Hartung zum 500. Geburtstag. 1505 Miltenberg - Heidelberg - Freiburg 1579. Miltenberg (2005)]

Christoph Wamser (1580 Miltenberg oder Aschaffenburg - 1649 vermutlich Köln), Architekt von Kirchen im Stil des sogenannten Jesuitenbarock, der Elemente der Romanik und der Gotik aufnahm: Jesuitenkirche in Molsheim/Elsass und St. Mariä Himmelfahrt in Köln (lange Zeit die größte Kirche Kölns).
[Stadtarchiv Miltenberg, Nachlass Rudolf Vierengel]

Michael Juncker und Familie. Michael Juncker aus Walldürn wurde 1598 in Miltenberg als Bürger aufgenommen. Er war 1589 möglicherweise der Schöpfer der 2. Brunnensäule des 1583 errichteten Marktbrunnens. Ihm werden in Miltenberg der Holzepitaph des Ratsherrn Hans Ruppert d. Ä. im Langhaus und das Grabmal für den Riesenwirt Jost Firnhaber an der südlichen Außenwand der St. Laurentiuskapelle zugeschrieben. Mit seinen Söhnen Zacharias der Ältere (geb. um 1578 in Walldürn) und Johannes (geb. um 1582 in Walldürn) schuf er 1602 den mächtigen Kamin im Jagd- und Rittersaal des hohenlohischen Schlosses zu Weikersheim. 1616 übernahm er mit seinen Söhnen den Auftrag für den Heilig-Blut-Altar in Walldürn, dessen Fertigstellung durch seinen Sohn Zacharias 1626 er nicht mehr erlebte. Zacharias schuf u. a. 1635 die Kanzel für die Miltenberger Pfarrkirche und die St. Michaelsstatue auf dem Engelberg. Seine überragende Kunst bezeugt das Alabasteraltärchen von 1622 in der Miltenberger Pfarrkirche. Der 1622 geborene Zacharias der Jüngere wurde 1654 in Würzburg zum Meister gesprochen und in Miltenberg Mitglied der Bauzunft St. Eligius. Von ihm sind nicht viele Werke bekannt. Er arbeitete an den Figuren am Hauptportal der Miltenberger Klosterkirche mit und schuf das Epitaph der Familie Schneider an der Laurentiuskapelle in Freudenberg.
[Leo Bruhns, Würzburger Bildhauer der Renaissance und des werdenden Barock, 1540 - 1650. München  (1923) S.  226 - 353
Stadtarchiv Miltenberg, Nachlass Rudolf Vierengel]

Franz Nagel erhielt in Miltenberg 1662/ 63 Bürgerrecht und heiratete 1663 Anna Christina Juncker, Tochter des Bildhauers Zacharias Juncker d. Ä. Er ist Schöpfer der St. Benedikt-Statue im ehemaligen Ritterstift St. Peter zu Wimpfen im Tal.
[Stadtarchiv Miltenberg, Nachlass Rudolf Vierengel]

Anton Wermerskirch, Bildhauer (1654 Koblenz - 1728 Aschaffenburg) heiratete 1681 Maria Catharina Nagel, älteste Tochter des Bildhauers Franz Nagel. Ein Trauzeuge war Zacharias Juncker. Durch Oberkellereirechnung von 1682 wird belegt, dass Anton Wermerskirch als Bildhauer in Walldürn arbeitete und einem Ruf des Fürstbischofs Anselm Franz von Ingelheim nach Aschaffenburg folgte. Hier wird er (mit Familie) 1687 in Kirchenbüchern erwähnt.  
Erste eigene und von ihm signierte Werke sind 1697 nachzuweisen (kleine Kreuzigungsgruppe aus Buchsbaumholz im Stiftsmuseum der Stadt Aschaffenburg; vollplastische Madonna mit Kind aus Lindenholz im Stiftsmuseum; je eine weitere vollplastische Madonna mit Kind aus Holz in Hallgarten und Venray/Holland.Die beiden zuletzt genannten Madonnen gelten als Vorbild für eine ganze Reihe von Madonnenstatuen, die er für die gesamte (damalige) Bistumsregion Mainz schuf. Seine jüngste datierte und signierte Arbeit stammt von 1718 (Madonna in Aschaffenburg).
Als Hauptwerke gelten weiterhin: Die große Kreuzigungsgruppe vor der Stiftsbasilika Aschaffenburg (1699), - ein Gegenstück dazu vor der Kirche St. Peter in Heppenheim (signiert) - \"Sieben Fußfälle\" (Bildstöcke an Prozessionswegen) Steinheim/Niedersteinheim (1699/1700), - Hofheim am Taunus (signiert, 1701/1702)- und Aschaffenburg/Großostheim (1710). Der Kreuzweg („sieben Fußfälle“) in Freudenberg an der Straße zum Friedhof (1710) ist nicht eindeutig Anton Wermerskirch zuzuschreiben.
[Ludwig Baron Döry, Anton Wermerskirch, Bildhauer von Aschaffenburg. Ein Beitrag zur Kunstgeographie des Barock. In: Kunst in Hessen und am Mittelrhein, Heft 9, Darmstadt (1969), S. 73 – 95); Stadtarchiv Miltenberg, Nachlass Rudolf Vierengel; persönliche Mitteilung E. Hennemann, Hofheim]  


Johann Neudecker d.Ä. (1663 Miltenberg - 1718) lernte in der Werkstatt von Franz Nagel in Miltenberg und war ab 1692 am Sitz der Fürsten von Nassau - Hadamar  in Hadamar tätig. Der "Hadamarer Barock" hatte seine Bedeutung vor allem in der Altarbaukunst. Neben Neudecker gehören noch die Bildhauer Martin Volk, Johann Theodor Thüringer und sein Sohn Johann Neudecker der Jüngere zu dessen profiliertesten Künstlern. Johann Neudeckers d. Ä. Hauptwerk ist der aus Alabaster geschaffene Bonifatius-Altar im Dom zu Fulda. Zudem schuf er auch die Pfeilerfiguren des Ehrenhofgitters vor dem ehemaligen Residenzschloss der Fuldaer Fürstäbte. Sein Sohn Johann Neudecker der Jüngere war auch Bildhauer und arbeitete u. a. für den Dom und die Reichsabtei St. Maximin in Trier.
[Stadtarchiv Miltenberg, Nachlass Rudolf Vierengel]

Johann Martin Schmidt (1700 - 1763).  "Schmidt, der bedeutendste Baumeister des Barock am Untermain, trat offensichtlich als verantwortlicher Planer und Baumeister auf. Er betrieb eine umfangreiche Bauhütte, in der eine Vielzahl von Arbeiten vom Plänemachen über das Steinbearbeiten, Mauern, Weißbinden bis hin zur Logistik erledigt werden konnte. Andere Handwerker - mit Ausnahme der Schreiner - wurden als Subunternehmer beauftragt." (Trost) Werke u. a. Pfarrkirchen Kleinwallstadt, Mönchberg, Trennfurt, Hobbach, Kloster Himmelthal. Umbau des Miltenberger Adelshofs zum Oberamtsgebäude, Barockhaus am Markt (Schmidts Privathaus seit 1750)
[Werner Trost, Trennfurter Kirchengeschichte. 250 Jahre St. Maria Magdalena Trennfurt. Trennfurt (2005), S. 55 ]


Joseph Martin Kraus (1756 Miltenberg - 1792 Stockholm). Am 20. Juni 1756  im Barockhaus seines Großvaters Johann Martin Schmidt am Miltenberger Marktplatz geboren, wuchs er in Buchen auf, wo er seinen ersten musikalischen Unterricht bekam. Auf dem Mannheimer Jesuiten-Gymnasium erhielt er eine umfassende literarische und musikalische Bildung. Studium der Jurisprudenz in Mainz, Erfurt und Göttingen. Seit 1781 Kapellmeister am Hof des Schwedischen Königs Gustav III. und Erneuerer die schwedischen Musiklebens. Er starb am 15. Dezember 1792 als schwedischer Hofkapellmeister in Stockholm.
[Karl Friedrich Schreiber, Biographie über den Odenwälder Komponisten Joseph Martin Kraus. Buchen (1928)
Friedrich W. Riedel, Joseph Martin Kraus. Ein schwedischer Hofkapellmeister aus Miltenberg. In. 750 Jahre Stadt Miltenberg 1237 - 1987, Miltenberg (1987), S. 371 - 386]

Philipp Joseph Bischoff (1750 - 1817). Sein Vater, der Rotgerber und Lederhändler Joseph Bischoff, hatte die Grundlage für ein großes Vermögen gelegt. Philipp Joseph B. war vor allem als Kreditgeber aktiv und vermehrte den Besitz erheblich. Die Kredite waren meist durch Grundstücke abgesichert. Seit 1801 verheiratet, starb Bischoff aber 1817 kinderlos. In dem kurz vor seinem Tod gemeinsam mit seiner Schwester erstellten Testament setzte er die Stadt Miltenberg als Erbin des Vermögens ein, das als soziale Stiftung verwendet werden sollte. Das Vermögen betrug rund 125.000 Gulden und entsprach unter heutigen Verhältnissen einem "Millionenvermögen". (Der Stadthaushalt 1817 schloss mit rund 75.000 Gulden ab). Der Bischoffs-Fonds besteht heute noch.
[Wilhelm Otto Keller/Alf Dieterle/Bruno Schindler, Für das Beste unserer Vaterstadt Miltenberg. Die Familie Bischoff und ihre Stiftung von 1817. Miltenberg (1992)]

Carl Gottlieb Horstig (1763 - 1835). Der aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig pensionierte Schaumburg-Lippe'sche Konsistorialrat erwarb 1808 die Mildenburg vom Fürstenhaus Leiningen und war deren erster Privatbesitzer. Der Theologe, Universalgelehrte, Maler und Schöpfer des ersten brauchbaren Systems der Stenografie, mit dem noch 1848 im Parlament der Frankfurter Paulskirche gearbeitet wurde, zählte auch zum Bekanntenkreis Johann Wolfgang von Goethes.1840 erhob König Ludwig I. von Bayern, der die Horstigs zweimal auf der Mildenburg besuchte, die Familie in den Adelsstand.
[Richard Graewe, Carl Gottlieb Horstig 1763 - 1835. Das Lebensbild eines vielseitigen Genies aus Goethes Freundeskreis. Hildesheim (1974)
Rudolf Vierengel, Carl Gottlieb Horstig. In: Förderkreis "Historisches Miltenberg" (Hrg.) Miltenberg und seine Burg. Miltenberg (1979), S. 19 - 58
Stadtarchiv Miltenberg, Nachlass Rudolf Vierengel]

Michael Joseph Wirth (1775 - 1864). Der Sohn eines Hutmachers war ursprünglich für das Theologiestudium bestimmt. 1793 verließ er wegen des Französischen Revolutionsheeres die Mainzer Universität Mainz, begann eine Hutmacherlehre und ließ sich als Meister in Miltenberg nieder. 1808 wurde er zum Ratsschultheiß berufen. Dieses schwierige Amt versah er bis 1818. Im Testament von Philipp Joseph und Josepha Bischoff war er bereits 1817 als Verwalter für deren Stiftung vorgesehen, die er ab 1824 bis 1854 leitete. Um 1850 vollendete er seine "Chronik der Stadt Miltenberg". Die dreibändige Handschrift wurde 1890 von der Stadt als Buch veröffentlicht.
[Wilhelm Otto Keller, Michael Joseph Wirth. Hutmacher - Ratsschultheiß - Stadtchronist. Vorwort zur 2. Auflage der Chronik der Stadt Miltenberg. Miltenberg (1987)
Wilhelm Otto Keller/Alf Dieterle/Bruno Schindler: Für das Beste unserer Vaterstadt Miltenberg. Die Familie Bischoff und ihre Stiftung 1817. Miltenberg (1992)]

Philipp Caspar Wirth (1808 - 1878). Sohn des Ratsschultheißen und Stadtchronisten Michael Joseph Wirth. Erster Zeichenunterricht auf der Mildenburg durch Carl Gottlieb Horstig. Studium in Würzburg und München. Weitere Studienaufenthalte in Wien, London und Paris. Einer der führenden Porträtisten der Romantik, der zu seinen Lebzeiten nicht die gebührende Anerkennung fand. Der Bischoffische Fonds brachte ihn in seinen letzten Jahren im Spital unter und bezahlte auch für sein Begräbnis. Im Museum der Stadt am Miltenberger Marktplatz, das von 1832 bis 1914 der Familie Wirth als Wohnhaus diente, ist dem bedeutendsten Maler der Stadt ein eigener Raum gewidmet.
[Wolfgang Kimpflinger, Philipp Wirth - ein fränkischer Maler des 19. Jahrhunderts. Aschaffenburg (1983)
Klaus Reffel (Hrg.), Philipp Wirth Gedächtnisausstellung. Gemälde und Zeichnungen. Miltenberg (1978)
Wilhelm Otto Keller/Alf Dieterle/Bruno Schindler: Für das Beste unserer Vaterstadt Miltenberg. Die Familie Bischoff und ihre Stiftung von 1817. Miltenberg (1992)]

Dr. Carl Gerster (1813 - 1892). Der Sohn des Inhabers der Miltenberger Stadtapotheke studierte Medizin in München und war dort Mitbegründer des "Corps Franconia". Als Gründer des Fränkischen Sängerbundes und Mitbegründer des Deutschen Sängerbundes gehört er zu den herausragenden Persönlichkeiten des deutschsprachigen Laienchorwesens. Seine überragende Rednergabe brachte ihm den Ehrennamen "Demosthenes der Sängerbewegung" ein. In der Revolution von 1848/1849 erhob er als wortgewaltiger Vertreter der Demokraten in Regensburg seine Stimme. Als Arzt beschäftigte er sich mit Naturheilkunde und Homöopathie und veröffentliche mehrere Schriften.
[Stadtarchiv Miltenberg, Nachlass Rudolf Vierengel]

Friedrich Gustav Habel (1792 - 1867), Sohn eines bis zum Hofkammerrat in hessischen Diensten aufgestiegenen Finanzbeamten. Die Schwester Louise wird die Mutter von Wilhelm Conrady. Bereits der Vater weckte das Interesse an der römischen Vergangenheit. Er gehörte 1852  zu den Gründern des Römisch-Germanischen Museums in Mainz. Sein väterliches Erbe machte ihn ab 1814 wirtschaftlich unabhängig. Dennoch arbeitete er von 1829 - 1837 als Angestellter der Landesbibliothek in Wiesbaden, was ihm den Titel "Archivar" einbrachte, den er bis zum Tode führte. Habel engagierte sich für den Erhalt mittelalterlicher Burgen, weshalb er auch "Schirmherr deutscher Burgen" genannt wurde. In diesem Zusammenhang ist auch sein Kauf der Mildenburg 1858 zu sehen. Er ließ einen kleinen Wohntrakt am Palasgebäude anbauen.
[Rudolf Vierengel, Friedrich Gustav Habel. In: Förderkreis "Historisches Miltenberg" (Hrg.), Miltenberg und seine Burg. Miltenberg (1979) S. 59 - 83
Stadtarchiv Miltenberg, Nachlass Rudolf Vierengel]

Wilhelm Conrady (1829 - 1903). Der Kreisrichter von Rüdesheim erbte die Mildenburg 1867 von seinem Onkel Friedrich Gustav Habel und erweiterte den Wohntrakt. Das repräsentative Palasgebäude blieb der berühmten Sammlung vorbehalten. Er setzte Habels Sammlungstätigkeit ebenso fort, wie dessen Engagement in der provinzial-römischen Forschung. Die Reichs-Limes-Kommission setzte Conrady als Streckenkommissar am "Mainlimes" bis Stockstadt ein. Er leitete Ausgrabungen in den Mainkastellen. Ihm gelangen wesentliche Beiträge zur römischen Epoche am Main und zum Verlauf des Limes. Seine umfangreiche Sammlung wurde 1904 in München versteigert.
[Rudolf Vierengel, Wilhelm Conrady. In: Förderkreis "Historisches Miltenberg" (Hrg.), Miltenberg und seine Burg. Miltenberg (1979), S. 85 - 89
Stadtarchiv Miltenberg, Nachlass Rudolf Vierengel]

Bischof Joseph (von) Ehrler (1833 - 1905), zweiter Sohn von insgesamt sieben Kindern eines Schneidermeisters.  Von 1848 bis 1855 erhielt der Vater für das Studium des Sohnes ein Stipendium des Bischoffischen Fonds. 1856 zum Priester geweiht wurde er zum Domprediger in München bestellt und 1878 auf den Bischofsstuhl in Speyer berufen. Dort starb er 1905. Er rief die "Ehrler'sche Stiftung" ins Leben, deren Ertrag einem Knaben das Theologiestudium ermöglichen sollte. Die Inflation von 1923 hat das Stiftungsvermögen drastisch verringert.
[Wilhelm Otto Keller, Alf Dieterle, Bruno Schindler: Für das Beste unserer Vaterstadt Miltenberg. Die Familie Bischoff und ihre Stiftung von 1817. Miltenberg (1992) S. 62 - 69]

Erzbischof Jakobus (von) Hauck (1861 - 1943) wurde im Schwarzviertel im Haus direkt neben dem Bannhaus als 5 Kind des Stadtkämmerers Karl Hauck geboren. Volksschule und Gymnasium bis zur 6. Klasse besuchte er in Miltenberg, dann siedelte er 1871 ins neu gegründete Kilianeum in Würzburg über. 1884 empfing er die Priesterweihe durch den Würzburger Bischof von Stein und wurde 1912 zum Erzbischof von Bamberg berufen. Mit Beschluss des Stadtrats vom 2. Mai 1921 erhielt Dr. Jakobus von Hauck das Ehrenbürgerrecht der Stadt Miltenberg. Sein Nachfolger Erzbischof Joseph Otto Kolb nannte ihn einen der größten Bischöfe, "die Bamberg seit der Gründung des Bistums geschenkt worden sind".
[Stadtarchiv Miltenberg, Nachlass Rudolf Vierengel]

Rudolf Wahl (1875 - 1906). Durch die Versetzung seines Vaters von Mellrichstadt an das hiesige Bezirksamt kam er nach Miltenberg und versuchte nach dem Abbruch des Besuch des Gymnasiums in Aschaffenburg sich ohne geregelte Ausbildung in Miltenberg durchzubringen. Bekannt sind seine Federzeichnungen für Postkarten, die der Buchbinder Philipp Wirth verlegte, und seine großen Gemälde für die "Mainlust" der "Löwenbrauerei", deren Mittelstück die "Huldigung an Gambrinus" darstellt. Wahl starb in äußerster Armut an Lungentuberkulose.
[Hellmut Lang, Künstler in Miltenberg. Rudolf Wahl - Adolph Ernst von Zschock - Jakob Fischer - Rhein. In: 750 Jahre Stadt Miltenberg 1237 - 1987, Miltenberg (1987), S. 387 - 404
Stadtarchiv Miltenberg, Nachlass Rudolf Vierengel]

Jakob Joseph Schirmer (1839 - 1928). Der gebürtige Würzburger erwarb 1862 die Miltenberger Stadtapotheke. 1866  wurde er Magistratsrat. Vom 1. Januar 1870 bis zum 31. Dezember 1905 amtierte er als ehrenamtlicher Bürgermeister der Stadt Miltenberg Miltenberg. In seine Amtszeit fällt die Entwicklung Miltenbergs zur modernen Kommune: Schulbauten, Zentrale Wasserversorgung, Kanalisation, Mainbrücke, Schlachthof, Stromversorgung. Es entstanden die ersten "Umgehungsstraße" um die Altstadt: Ringstraße, Luitpoldstraße, Mainstraße. Schirmer verfasste eine umfangreiche Chronik, die er als Fortsetzung der Chronik von Michael Joseph Wirth verstand.
[Jakob Josef Schirmer, Chronik der Stadt Miltenberg. Miltenberg (2005)]

Reichsgerichtsrat Dr. Otto Klimmer (1878 - 1967), Zweiter von drei Söhnen des Färbermeisters August Klimmer,  1897 bis 1901 Stipendiat im Maximilianeum München während seines Jurastudiums, 1908 Berufung ins Bayerische Justizministerium, 1928 bis 1942 Reichsgerichtsrat am Reichsgericht in Leipzig,  Vorzeitige Ruhestandsversetzung, da er sich weigerte, der NSDAP beizutreten. Er erhielt deshalb auch den Beinamen "Richter Wahn". Unter diesem Namen veröffentlichte der "Bote vom Untermain" in den 1950-iger Jahren seine lesenswerten Lebenserinnerungen. Seit seiner Jugend schrieb Klimmer auch Gedichte, Geschichten und Romane. Irrtümlich schätzte er seine poetischen Fähigkeiten höher ein als seine juristischen Kenntnisse.
[Stadtarchiv Miltenberg, Nachlass Rudolf Vierengel]

Jakob Fischer-Rhein (1888-1976) besuchte die Düsseldorfer Akademie. Später erhielt er ein Stipendium an der South Kensington School in London. Nach der Kriegsgefangenschaft führten ihn Studienreisen nach Holland, Belgien, Frankreich und Amerika, wo er fast sechs Jahre blieb. Ein Studienkollege rief Fischer nach Berlin. Dort lebte er während des Dritten Reiches von Staatsaufträgen. 1943 wurde seine Wohnung zerbombt. Ein Kulturfilm regte ihn an, nach Miltenberg zu ziehen. Von hier aus unternahm er immer wieder Studienreisen. 1976 verstarb der Künstler in Miltenberg. [Hellmut Lang, Künstler in Miltenberg. Rudolf Wahl - Adolph Ernst von Zschock - Jakob Fischer - Rhein. In: 750 Jahre Stadt Miltenberg 1237 - 1987, Miltenberg (1987), S. 387 - 404
Stadtarchiv Miltenberg, Nachlass Rudolf Vierengel]

 

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