Philipp Wirth - der Maler aus Miltenberg
Serie von Sabine Dreher in

Zwei Jahre nach dem runden Geburtstag des Komponisten Joseph Martin Kraus feiert Miltenberg erneut einen verdienten Sohn der Stadt: Den Porträt- und Landschaftsmaler Philipp Wirth. Anders als Kraus, der kurz nach seiner Geburt am Schnatterloch seine Kindheit in Buchen verbrachte, ist Wirth seiner Heimatstadt treu geblieben. Der Sohn des Schultheißen Michael Wirth ließ sich zwar in Würzburg und München zum Porträtmaler ausbilden und machte Studienreisen nach London, Paris und in die Alpen (siehe Info-Kasten). Dennoch kehrte er immer wieder nach Miltenberg zurück. Seine Eltern wohnten am Schnatterloch - in dem Haus, wo heute das Museum untergebracht ist.

Philipp Kaspar Wirth kam am 7. Juli 1808 als drittes Kind des Hutmachers und Ratsschultheißen Michael Josef Wirth und der Obernburger Schiffers- und Gastwirtstochter Anna Maria Wirth, geborene Allemann, zur Welt. Der Miltenberger Künstler Carl Gottlieb Horstig förderte früh den Jungen. Schon mit 14 Jahren ging Wirth bei dem Würzburger Maler Sebastian Hesselbach in die Lehre, mit 18 wechselte er 1826 an die Akademie in München. Von 1829 bis 1834 besuchte Philipp Wirth die Akademie Wien, wo er vor allem in der Portraitmalerei unterrichtet wurde. Bei Aufenthalten in den Alpen fand er zudem schnell Zugang zu Landschaftsstudien und -gemälden. Die Zeit von 1835 bis 1843 gilt als Hauptschaffensperiode Wirths als Portraitmaler: In Miltenberg, Würzburg, Aschaffenburg und Wertheim entstanden zahlreiche seiner Ölgemälde. Ein Bruch in seinem Lebenslauf ereignete sich 1844 mit einem Aufenthalt in Paris: Nach nur wenigen Monate krank und depressiv nach Miltenberg zurück. Dort wohnte er am Schnatterloch im Haus seiner Eltern, in dem sich nun das Stadtmuseum befindet. Mit seinem Bruder Franz-Josef eröffnete Wirth 1849 das erste Fotostudio in Unterfranken, das er mangels Erfolg wieder schließen musste. Von 1863 bis 1871 lebte der mittlerweile Verarmte im Schloss Kleinheubach, später fand er bei dem Miltenberger Kaufmann Emanuel Lindheimer Unterschlupf. Wirth starb am 18. Dezember 1878 im städtischen Hospital Miltenberg. 

Die Ausstellung, für die das Obergeschoss des Museums fast komplett geräumt wurde, orientiert sich an den Schaffensphasen des Künstlers. Zunächst sind die ersten Versuche des Jugendlichen Philipp Wirth zu sehen. Neben Zeichnungen, die er in Miltenberg unter Anleitung von Carl Gottlieb Horstig und in Würzburg bei Sebastian Hesselbach anfertigte, ist auch seine erste Auftragsarbeit aus dem Jahr 1825 ausgestellt: Die Marienkapelle bei der Stadtpfarrkirche, die vor ihrem Abriss noch einmal in Öl auf Holz festgehalten werden sollte. Weiter geht es mit Werken Wirths aus seinen Lehrjahren in München und Wien sowie seinen Aufenthalten in den Alpen. Neben Gemälden mit Gebirgslandschaften sind hier Abzeichnungen großer Meister zu sehen, anhand derer Wirth sein Künstlerhandwerk gelernt hatte.

Den Höhepunkt von Wirths Schaffen bilden die Porträts aus den Jahren 1835 bis 1843, die im Anschluss zu sehen sind. Aus jener Zeit stammen auch künstlerisch hochwertige Selbstporträts. Eines dürfte als Aushängeschild des Porträtisten fungiert haben: Es zeigt Wirth als elegant gekleideten Mann mit stolzgeschwellter Brust, den einen Arm in die Hüfte gestemmt, im anderen Arm die Zeichenmappe. Auch eindrucksvolle Bilder des Ehepaars Georg Friedrich und Maria Anna Clara Schwaab sind hier zu sehen - Museumsleiter Hermann Neubert hat hierzu ein Bild Wirths aufhängen lassen, das eine Studie über den Puffärmel von Schwaabs Kleid zeigt. Mit dem Blick des Künstlers Zudem sind in den Räumen mit Blick auf das Schnatterloch Zeichnungen an jenen Stellen angebracht, die genau die Perspektive zeigen, die der Betrachter beim Blick aus dem Fenster hat.

Der Weg durch die Ausstellung führt weiter zu den Werken nach Wirths Paris-Aufenthalt, seinen Experimenten mit der Fotografie und späteren Porträtbildern. Sie unterscheiden sich erheblich von den früheren Werken. Zum einen, weil sie nicht mit teurer Ölfarbe, sondern mit günstiger Kreide angefertigt wurden - im beginnenden Zeitalter der Fotografie wollte man sich keine kostspieligen Porträtgemälde mehr leisten. Zum anderen geht Wirth hier weniger ins Detail, sondern beschränkt sich auf die bestimmenden Formen der Gesichter.

Von den rund 130 gezeigten Werken stammen etwa ein Drittel aus den Eigenbeständen des Stadtmuseums. Den Rest hat Leiter Hermann Neubert aus der ganzen Republik zusammengeliehen. Das war nicht immer einfach, berichtet er. Während die städtische Sammlung Aschaffenburg den Miltenbergern ohne viel Aufhebens knapp 40 Bilder zur Verfügung stellte, füllt der Schriftverkehr mit der Kunsthalle Hamburg einen ganzen Schnellhefter, - und das für nur ein einziges Werk. Allerdings ein ganz besonderes: Es zeigt das "Selbstporträt mit Zylinder" aus dem Zeit zwischen 1840 und 1843, dessen Versicherungswert bei 35 000 Euro liegt. Und das nicht ohne Grund - es gilt als eines der wichtigsten Porträts des 19. Jahrhunderts. Hier deutet Wirth schon Techniken des Impressionismus an und war seiner Zeit damit voraus. Andere Bilder wiederum stammen aus Privatbeständen in und um Miltenberg, aber auch München, Nürnberg und Berlin. Das Museum selbst hat einen großen Teil seines Wirth-Bestands aus der Sammlungen des Miltenbergers Oskar Winterhelts. Der hatte die Bilder wiederum von dem Kaufmann Emanuel Lindheimer übernommen. Auch wenn Wirth überregional weitaus weniger bekannt war als andere Künstler: Zu Hause hatte er eine treue Fangemeinde.
Philipp Wirth - der Maler aus Miltenberg

Mit einer sechswöchigen Sonderausstellung feiert die Stadt Miltenberg den 200. Geburtstag des Malers Philipp Kaspar Wirth. In einer Artikelserie wird unsere Zeitung über Leben und Wirken des Künstlers berichten.
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