Ein Künstlerleben am Schnatterloch
Der Maler hat die Stadt Miltenberg und ihre Bewohner
auf zahlreichen Bildern verewigt

Der Maler Philipp Wirth ist nicht der einzige Künstler, den die Stadt Miltenberg hervorgebracht hat: 52 Jahre vor ihm erblickte 1756 der Komponist Joseph Martin Kraus am Schnatterloch das Licht der Welt. Doch anders als Kraus, der es zum Hofkapellmeister des schwedischen Königs gebracht hatte, beschränkte sich Wirths Wirkungskreis auf das Mainviereck. Der Heimatstadt Miltenberg blieb er Zeit seines Lebens verbunden. Wie sehr die Stadt den Maler in seinem Schaffen beeinflusst hat, ist Thema der zweiten Folge unserer Serie über den Maler, dem das Stadtmuseum derzeit eine Sonderausstellung widmet.

Im Grunde genommen kreist Wirths Leben in Miltenberg um das Schnatterloch. Am 7. Juli 1808 wurde er in einem Haus in der Hauptstraße gegenüber der Pfarrkirche als drittes von fünf Kindern geboren. Als Junge erhielt er ersten Zeichenunterricht bei dem Universalgelehrten Carl Gottlieb Horstig, der 1808 die Mildenburg gekauft hatte. Als seine Eltern 1832 die Alte Amtskellerei kauften - das Haus, in dem heute das Stadtmuseum untergebracht ist - war Philipp Wirth dort regelmäßig zu Gast. Der Maler unternahm nach Ende seiner Ausbildung 1834 zwar immer wieder Reisen nach Wertheim, Aschaffenburg und Würzburg, um dort neue Aufträge an Land zu ziehen, kehrte aber immer wieder an das Schnatterloch zurück.

Von der Stadt Miltenberg, der Umgebung und ihren Bewohnern sind noch heute zahlreiche Abbildungen aus der Hand Wirths erhalten. Sie reichen von Ansichten auf das Schnatterloch über Porträts von Familienmitgliedern über Bildnisse Miltenberger Honoratioren bis zu eindrucksvollen Gemälden "kleiner" Leute. Der Erbprinz Constantin zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg gehört ebenso zu den Porträtierten wie die Pächterstochter aus Amorsbrunn, der Konsistorialrat Horstig ebenso wie der Hofgarteninspektor Weber. Auch ein Großheubacher Holzfäller zählt zu den Abgebildeten. Er soll mit dem Porträt geehrt worden sein, weil er bei einem Feuer in Miltenberg Menschen aus einem brennenden Haus gerettet haben soll.

Doch nicht nur Menschen bildete Wirth ab. Er hielt zahlreiche Ansichten von Stadt und Landschaft fest, mal mit Ölfarben, mal mit Kreide, mal mit Bleistift - etwa der Blick aus seinem Elternhaus, der Alten Amtskellerei, auf den Beginn der Schlossgasse am Schnatterloch. Ab 1845 hatte Wirth im Elternhaus in der Alten Amtskellerei seinen ständigen Wohnsitz. Auch sein älterer Bruder Franz Joseph lebte dort, nachdem mehrere Versuche fehlgeschlagen waren, sich als Kaufmann in Würzburg zu etablieren. Philipp Wirth kam ebenfalls ab Mitte der 1840er-Jahre in künstlerische und finanzielle Schwierigkeiten. Der Versuch, ein eigenes Fotostudio zu betreiben, schlug fehl. Dennoch machte die neue Technik der Malerei Konkurrenz: Statt üppiger Ölporträts fertigte er kleinerer Blei- und Kreide- zeichnungen an.

1864 musste Philipp Wirth mit seinem Bruder nach Kleinheubach ziehen. In diesem Jahr war Vater Michael gestorben, sein Stiefbruder Johann Anton hatte das Haus übernommen. Wo genau Philipp und Franz Joseph wohnten, ist nicht genau belegt. Einige Überlieferungen besagen, dass die Wirth-Brüder bei den Löwensteins im Schloss zu Gast waren, sagt der Historiker Otto Keller. Belege hierfür hat er allerdings noch keine gefunden.

Als alter, kranker Mann kehrte er nach Miltenberg zurück. Zunächst soll ihn der Kaufmann Emanuel Lindheimer im ehemaligen Haus der Volkhardtschen Druckerei am Schnatterloch aufgenommen haben. Am 18. Dezember 1878 starb er im Miltenberger Hospital in der Manggasse.
Sabine Dreher in:  2008/ Nr. 143 (21./ 22. 06.2008)
Erscheinungsdatum: 14.06.2008 - Copyright: © 1996-2008 Verlag und Druckerei Main-Echo GmbH & Co. KG
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