Die Dauerausstellung im Museum Stadt Miltenberg

Miltenberg kann auf eine Sammeltradition verweisen, die weit ins 19. Jahrhundert zurückreicht. Besonders Umfang, Qualität und einige Glanzstücke von überregionalem Rang erlauben es zu Recht, stolz auf die Sammlung zu sein.


Feinkostgeschäft statt Gemischtwarenladen - Die Dauerausstellung

Die Dauerausstellung im Museum Stadt Miltenberg hat verschiedene Schwerpunkte. Ein Rundgang (folgen Sie den blauen Pfeilen) führt durch die 47 Räume.

Rundgang mit Raumnummern


Römerzeit

Eine Ausstellung von verschiedenen meist steinernen Funden aus der Zeit der RömerRömer Abteilung im Museum Stadt Miltenberg (Foto: Holger Leue)

In der römischen Abteilung sind einige Funde aus der Zeit ausgestellt, als der Vordere Limes (Teil des Obergermanisch-Raetischen Limes) bei Miltenberg an den Main stieß und zum "nassen Limes" wurde. Zwischen ca. 165 bis 260 n. Chr. siedelten militärische Einheiten und in ihrem Gefolge Zivilisten auf dem Gebiet des heutigen Miltenbergs. Das ergrabene Altstadt-Kastell und die ausgestellten Funde im Museum zeugen vom Alltagsleben der Römer.

Mehr Informationen zur Römerzeit, zum Limes und zu einzelnen Objekten gibt es auf der Seite der Museen am Mainlimes. Wir empfehlen außerdem die LIMES Mobil App, erhältlich für Android und iOS.

Entstehung Miltenbergs

1237 wird Miltenberg erstmals urkundlich erwähnt. Die kurmainzische Stadt, an einer wichtigen Handelsstraße gelegen, nahm einen raschen Aufschwung. Die wirtschaftliche Blütezeit der kurmainzischen Stadt im 14. und 15. Jahrhundert wird in einigen Räumen gezeigt.

Weinbau, Steingewinnung und -bearbeitung, sowie Holz- und Holzkohlenhandel bestimmten über Jahrhunderte das Miltenberger Wirtschaftsleben. In der Stadt durften sogar zeitweise Goldmünzen geprägt werden, 1367 wurde das Messeprivileg verliehen. Ende des 14. Jahrhundert war Miltenberg die steuerreichste Stadt im Mainer Oberstift.

miltenberger-gulden-Foto: Konrad Rainer.jpgDer Miltenberger Goldgulden, um 1460 (Foto: Konrad Rainer)

Glaubens Sache

Toraschrein-Museum Stadt Miltenberg-Konrad Rainer.jpgDer historische Toragiebel im Museum Stadt Miltenberg (Foto: Konrad Rainer)

Einige besondere und seltene Exponate bietet die Judaica-Ausstellung. Neben einem äußerst raren Omer-Kalender aus dem 19. Jahrhundert ist auch der mittelalterliche Toragiebel aus der alten Synagoge Miltenbergs zu sehen.

Bereits Ende des 13. Jahrhunderts ist eine jüdische Gemeinde in Miltenberg nachgewiesen. Mehr Informationen zur Geschichte der jüdischen Gemeinde in Miltenberg sind auf der Seite der Alemannia Judaica zu finden und auf der Seite des DenkOrts Deportationen.

Obwohl Miltenberg  rasch nach der Gründung im 13. Jahrhundert zur größten Stadt im Mainviereck heranwuchs, hatte sie lange keine eigene Pfarrei sondern gehörte zur Mutterpfarrei des älteren Nachbarortes Bürgstadt. Erst 1522 wurde Miltenberg von Bürgstadt losgelöst und bekam eine eigene Pfarrei.

Ein Schwerpunkt der Dauerausstellung ist die religiöse Volkskunde mit gewichtigen Anteilen an Hinterglasbildern, Klosterarbeiten und Devotionalien.

Vom Alltag

Große Studiensammlungen zu Glas und Keramik markieren den Übergang zum Ausstellungsbereich "Vom Alltag". Unter anderem eine rekonsturierte schwarze Küche und der Waschplatz vermitteln eindrucksvoll das historische Alltagsleben in der Stadt Miltenberg.

Umfangreiche Sammlungen kamen mit der Erweiterung des Museums im Jahr 2006: Roland Schildhauer hat seine über Jahrzehnte zusammengetragene Spielzeugsammlung mit Dampfmaschinen, Eisenbahnen und Baukästen dem Museum als Stiftung überlassen. Das Ehepaar Lang schenkte ein umfangreiches Arsenal an bedeutenden Jagdwaffen mit entsprechendem Zubehör und seltenen Selbstschussgeräten.

Spielzeugausstellung im Museum Stadt MiltenbergDie Spielzeugabteilung im Museum Stadt Miltenberg (Foto: Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern)

Ausstellungsraum zur Partnerstadt Dux im Museum Stadt Miltenberg (Foto: Konrad Rainer)Ausstellungsraum zur Partnerstadt Dux im Museum Stadt Miltenberg (Foto: Konrad Rainer)

Zwei Räume sind der Miltenberger Patenstadt Dux (Duchcov) in Böhmen gewidmet. Der kleine Ort liegt zwischen Prag und Dresden, südlich des Erzgebirges. Kohlebergbau und die Porzellanindustrie prägten die Stadt bis zum Zweiten Weltkrieg.

1864 gründete Eduard Eichler eine Porzellan-Manufaktur, die sich vor allem auf Figuren und Vasen spezialisierte. Den im Museum gezeigten Produktionsschnitt hat der Heimatkreis Dux nach dem Krieg mühsam aus dem Antiquitätenhandel gekauft. Der Heimatkreis gründete sich aus den jährlichen Heimattreffen der ehemaligen Kreise Dux, Bilin und Teplitz. Ein berühmter Duxer war Giacomo Girolamo Casanova (1725-1798). Er verbrachte seine letzten Lebensjahre in Dux als Bibliothekar des Grafen Waldstein.

Bayerische Zeit

1816 ging Miltenberg nach mehreren Territorialwechseln an Bayern über. Die Stadt verlor dadurch die gewachsenen historischen und wirtschaftlichen Bindungen ind ehemals Mainzer Umfeld.

Diese einschneidende Zeit wird anhand einer Landwehrkapelle und der Sammlung historischer Musikinstrumente aufgearbeitet. Die Miltenberger mussten sich erst an das "Bayerisch-Sein" gewöhnen. Ein "Blasmusik-Erlass" Ludwig I. sollte 1826 dem abhelfen: In den Bezirksstädten wurden Landwehrkapellen gegründet. Diese spielten zu der Zeit überwiegend sogenannte "türkische Musik" mit vielen Schlaginstrumenten. Davon zeugen die seltenen ausgestellten Instrumente wie eine "Große Türkische Trommel", Cinellen und eine Ophikleide. Erst später wurden mehr Blechblasinstrumente integriert.

Alte Musikinstrumente vor einer Schwarz-Weiß-Fotografie der LandwehrkapelleAusstellungseinheit zur Miltenberger Landwehrkapelle (Foto: Konrad Rainer)

Galerie

Gemäldegalerie-Museum Stadt Miltenberg-Holger Leue.JPGDie Gemäldegalerie im Museum Stadt Miltenberg (Foto: Holger Leue)

In der Gemäldegalerie sind Werke Miltenberger Künstler wie Rudolf Hirth du Frênes (1846-1916), Mitglied des Leibl-Kreises, und Gemälde mit Miltenberger Motiven ausgestellt. Dem berühmtesten Sohn der Stadt, Philipp Wirth (1808-1878), ist ein eigener Raum gewidmet. Der Maler bewohnte zeitweise die ehemalige Amtskellerei, das heutige Museumsgebäude. 


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